Wille und Willensfreiheit sind ein heißes Thema, in der
Gehirnforschung ebenso wie in der Philosophie.
Wenn der Wille eine Folge biologischer Gehirnfunktionen ist und naturwissenschaftlich beschrieben werden kann, wird die ethische Verantwortung des Einzelnen zum Bollwerk gegen den natürlichen Egoismus.
Für Wolfgang Seidel gehören biologisch bedingte Reaktionen im Gehirn
zu den konkreten Erkenntnissen aus der medizinischen Forschung und
Praxis – aber auch die Erfahrung, dass nicht alle physiologischen
Auswirkungen auf den einzelnen Menschen mit den Mitteln
naturwissenschaftlichen Vorgehens kausal absehbar sind. Sein Buch ist
eine Kritik an dem alleinigen Erklärungsanspruch eines
naturwissenschaftlichen Determinismus, der Denken und Verhalten in
allen Details kausal aus der Grundlagenforschung ableiten will. Seidels
spannende emotionspsychologische Argumentation lädt zum Nachdenken über
die Gehirnmechanismen und bewusste Entscheidungsfreiheit ein – wobei
wir nebenbei erleben können, dass das Gefühl, einen freien Willen zu
haben, zwar ein gut begründetes emotionspsychologisches Phänomen ist,
dass aber der Verstand mit seiner Fähigkeit zur Verantwortung das
ethisch korrekte Funktionieren des Gehirns gewährleistet.
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