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Prinzip Menschlichkeit

Warum wir von natur aus kooperieren
2006. 255 S. 21 cm. 388g.
Einband: Gebunden
Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN: 9783455500172
Produktart: Sachbuch
grün sofort lieferbar
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Was den Menschen zum Menschen macht – ein Buch über das wichtigste Erfolgsgeheimnis der Evolution und seinen Einfluss auf unser Leben.

In der internationalen neurobiologischen Forschung ist zunehmend vom »social brain« die Rede. Die Erkenntnis: Wir sind nicht primär auf Egoismus und Konkurrenz eingestellt, sondern auf Kooperation und Resonanz.

Das Gehirn belohnt gelungenes Miteinander durch Ausschüttung von Botenstoffen, die gute Gefühle und Gesundheit erzeugen.

Kern aller Motivation ist es, zwischenmenschliche Zuwendung, Wertschätzung und erst recht Liebe zu finden und zu geben. Was wir im Alltag tun, wird meist direkt oder indirekt dadurch bestimmt, dass wir sozialen Kontakt gewinnen oder erhalten wollen. Bei dauerhaft gestörten Beziehungen oder dem Verlust von Bindungen kann es zu einem »Absturz« der Motivationssysteme kommen. Dann – und erst dann – setzen Aggressionen ein.

Joachim Bauer beschreibt nicht nur, wie das »social brain« funktioniert, sondern führt dem Leser auch vor Augen, welche Konsequenzen diese Erkenntnisse für das menschliche Leben haben – von der Erziehung über die berufliche Kommunikation bis hin zur Frage von Krieg und Frieden.

Joachim Bauer ist Medizinprofessor und Psychotherapeut. Er ist sowohl für Innere Medizin als auch für Psychiatrie habilitiert. Derzeit ist er an der Abteilung für Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum in Freiburg tätig.

Leserbewertungen

11.12.06  
Leserbewertung: Prinzip Menschlichkeit

Ein großer Wurf! Noch dazu von einem Wissenschaftler, der als praktischer Psychosomatiker auch aus täglicher Arbeit und somit aus Erfahrung weiß, worüber er schreibt.

Sein Buch baut auf zwei vorhergehenden auf: "Das Gedächtnis des Körpers – Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern" und "Warum ich fühle, was du fühlst – Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone". In ihnen hatte er bereits wesentliche neue Kenntnisse von den biologischen Grundlagen unseres Handelns und Verhaltens geschildert, die in der biochemisch-genetischen bis hin zur hirnphysiologischen Einzelforschung der letzten fünfzig Jahre gewonnen werden konnten. In seinem neuen Werk skizziert er die daraus folgenden wissenschaftlichen Annahmen von den Grundzügen unseres Reagierens, zu dem wir Menschen von Natur aus neigen oder "angelegt" sind.

Interessanterweise ergibt sich aus dieser neuen wissenschaftlichen Sicht keineswegs auch ein "neues Menschenbild" wie in den letzten Jahren von manchen Hirnforschern und ihren Apologeten allüberall und ambitiös angekündigt; es erweist sich vielmehr - wer hätte das gedacht - als wohl vertraut.

Danach sind wir Menschen nicht zufällig Gruppenwesen, sondern von Grund auf und damit tatsächlich "von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", auf Zuneigung und Kooperation also oder, wie Wissenschaftler sich ausdrücken, auf "Beziehung" und damit keineswegs, wie ein einseitig verstandener Darwinismus bis in seine sozialdarwinistischen Abwandlungen hinein bislang suggerierte, auf Kampf und Krieg, in dem die einen mit Gewalt von anderen zu kriegen versuchen, was diese nicht freiwillig hergeben.

Liebevolle Beziehungen kennt jeder und von klein auf aus eigener, wenn auch aus teilweise höchst unterschiedlicher Erfahrung. Dichter aller Zeiten haben sie besungen; Kunst und Poesie verdanken ihr allem Anschein nach ihre Entstehung. Und wie vor dreißig Jahren ein psychologischer Kollege des Autors in den USA in seinem bedeutenden Werk über "die Entstehung des Bewusstseins" plausibel gemacht hat, ist über die in Erinnerungen aller Art bewahrte Anhänglichkeit zu Verstorbenen, die einem bekanntlich das Herz zerreißen kann, sogar jenes, erst "die Ahnen" ehrendes, dann im wörtlichen Sinn noch viel "weiter" ausgreifendes Jenseits-Denken entstanden, dessen kreative Ausformungen im Laufe von Jahrtausenden ein äußerst buntes Kaleidoskop religiöser Erzählungen und Traditionen zur Folge hatte.

Die Kraft, ja Gewalt, mit der sich seit jeher Menschen bis hin zum Tod - dem eigenen oder den von anderen... - an religiöse Vorstellungen klammern, ist schon immer ebenso auffallend wie verwunderlich gewesen; die Ausführungen des vorliegenden Buches sind geeignet, die Ahnung zur Gewissheit werden zu lassen, dass es sich dabei um elementarste, aus der Mitte unseres Seins oder besser gesagt, aus dem Zentrum unserer Natur kommende Kraft handelt, allerdings um eine sehr diesseitige Kraft: die urwüchsige Kraft des eigenen Lebens, das von Anfang an auf anderes ausgerichtet ist - und auf weiteres.

Ingo-Wolf Kittel, Augsburg

(Rezensionstext für "bvvp-magazin", erscheint im 1. Heft des 6.Jg. Anfang 2007)
Ingo-Wolf Kittel
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