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Leserbrief | 12.02.2005
zu: Mathematik des Terrors

Welcher Zeitraum ?

Auf welchen Zeitraum bezieht sich P(x) ?
Verwirrt der Tabubruch (Entsetzliche Dinge mathematisch zu beschreiben) die Redaktion so sehr, daß sie die wichtigste Information vergisst?
Peter Kohler
 
Antwort der Redaktion:
Sehr geehrter Herr Kohler,

das National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism (MIPT) listet alle Terroranschläge von 1968 bis heute auf. Diese 37 Jahre sind somit der Zeithorizont dieser Betrachtungen. Damit ergäbe sich – rechnet man die Anschläge auf die Tokioter U-Bahn und auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam hinzu – überschlagsmäßig gut alle zehn Jahre ein so verheerender Anschlag wie der auf die Twin-Towers in New York am 11. September 2001.

Doch ist das nicht die ganze Wahrheit. Am Ende der Originalarbeit von Aaron Clauset und Maxwell Young deuten die Autoren an, dass sich die mittlere Zeit zwischen zwei Anschlägen von 96 Stunden damals im Jahr 1980 auf nunmehr 17,3 Stunden (seit 1998) verkürzt hat. Das heißt, jedes Jahr werden derzeit durchschnittlich 506 Anschläge verübt, bei denen Menschen zu Schaden kommen (sterben oder verletzt werden).

Da am 11. September 2001 nach Angaben des MIPT 2823 Tote zu beklagen waren, kommen die Autoren auf eine Wahrscheinlichkeit von

P(x=2823) ≈ 3 x 10-4

Das heißt, drei von 10 000 Anschlägen sind derartig gewalttätig – respektive jeder 3333. Anschlag. Diese Zahl dividiert durch 506 Anschläge pro Jahr ergibt alle 6,6 Jahre einen derartigen Gewaltakt, was die Autoren auf sieben Jahre aufgerundet haben. Hier wurde aber vorausgesetzt, dass sich die Spirale der Gewalt in absehbarer Zeit nicht noch schneller dreht.

Wir hoffen, Ihnen damit geholfen zu haben, und wünschen uns zugleich herbei, dass diese kühle Abschätzung sich in Zukunft als falsch erweisen wird, weil wir hoffentlich niemals wieder einen so schlimmen Anschlag miterleben müssen.

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Samulat
Autor des Beitrags

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