Die allzu menschliche Seite der Wissenschaft - eine unterhaltsame Wissenschaftsgeschichte
Ob zu Recht oder Unrecht - zu allen Zeiten gerieten Wissenschaftler mit dem Gesetz in Konflikt und mussten sich für ihre Forschung vor Gericht verantworten.
Wissenschaft im Kreuzverhör rollt viele dieser Fälle neu auf und erzählt ihre spannende Geschichte. Die Auswahl der Forscher reicht dabei vom Renaissance-Genie über den Nobelpreisträger bis hin zu offenkundigen Scharlatanen, wobei auch die Plagiatsvorwürfe gegen deutsche Politiker nicht unerwähnt bleiben.
Heinrich Zankl zeigt auch diesmal wieder die allzu menschliche Seite der Wissenschaft, die so gern perfekt wäre – es aber so selten ist.
Der Autor Heinrich Zankl, geb. 1941, ist Leiter der Abteilung für Humanbiologie im Fachbereich Biologie der Universität Kaiserslautern.
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Spannende Geschichten rund um Wissenschaft vor Gericht
Um "Streitgeschichten" aus der Wissenschaft geht es in Zankls neuestem Sachbuch: Der Humanbiologe schildert dieses Mal allerdings Tatbestände aus der Medizin, den Natur- und Geisteswissenschaften, die vor Gericht geklärt werden mussten. Aktuelle Plagiatsaffären um deutsche Politiker wurden ebenso berücksichtigt wie ein Fall aus dem 17. Jahrhundert: Weil Galilei in seinem "Dialog" das heliozentrische Weltbild vertreten hatte, wurde das Buch vom Inquisitionsgericht verboten und der Autor zu Hausarrest verurteilt. Dieser Schuldspruch ist heute genauso unverständlich wie der so genannte "Affenprozess". Darin musste sich der Biologie-Lehrer Scopes vor Gericht verantworten, weil er mit seinen Schülern die Evolutionstheorie durchgenommen hatte. Erst der Oberste Gerichtshof von Tennessee hob seine Verurteilung wegen Verfahrensfehlern wieder auf.
Um die juristisch strittige Frage der Anwendung der Präimplantationsdiagnostik in Deutschland zu klären, ging ein Arzt den sehr riskanten Weg der Selbstanzeige. Bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch hatte er nämlich vor der In-vitro-Fertilisation eine PID durchgeführt, um auszuschließen, dass der Embryo an bekannten Erbkrankheiten leidet. Ein Chirurg, der schnelle OP-Termine von einer Geldzahlung abhängig machte, wurde u.a. wegen Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe verurteilt.
Dopingverstöße mit der bis dahin nicht nachweisbaren Substanz THG zu ahnden, wurde erst durch neue Tests möglich. Doch selbst wenn klar ist, dass beispielsweise beim Medikament Vioxx Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System verheimlicht wurden, kann es schwierig sein, die Ursache auch zu beweisen und als Betroffener oder Angehöriger Schadensersatzansprüche gegenüber dem Pharmakonzern geltend zu machen.
Weitere Beispiele, die in den 25 Kapiteln des Buches besprochen werden, sind das Geheimdienst-Projekt "Artischocke", gefälschte humane Stammzelllinien, eine nicht genehmigte Studie, Beleidigungen, der Fall des Song Du-yul, falsch verbuchte Drittmittel, die Rechtmäßigkeit eines Patents zur Gewinnung von Nervenzellen aus embryonalen Stammzellen, Tierschützer, die gegen Versuche mit Makakenäffchen vorgehen oder die Verurteilung von Ärzten, die während des Nationalsozialismus grausame Versuche an Menschen unternommen haben.
Bei der Darstellung der rechtlichen Fakten wurde der Autor Zankl von einem Juristen beraten. Die Kurzgeschichten sind sachlich fundiert geschrieben und trotzdem allgemein verständlich, abwechslungsreich und spannend erzählt. Wer sich weiter informieren möchte, kann auf ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Sach- und Personenregister am Ende des Buches zurückgreifen.
Betz