Den Bann brechen. Religion als natürliches Phänomen

2008. 531 S. 18 cm. 408g.
Einband: Gebunden
Verlag: Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag
ISBN: 9783458710110
Produktart: Sachbuch
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Religion ist, wie jedes andere menschliche oder nichtmenschliche Phänomen, den Naturgesetzen unterworfen und somit auch naturwissenschaftlich erforschbar.

So lautet Daniel Dennetts These.

In seiner Untersuchung konzentriert er sich vor allem auf die Gründe und Bedingungen für die Entstehung der Religion, ihre verschiedenen Erscheinungsformen und Ausprägungen sowie auf die Mannigfaltigkeit ihrer Inhalte. Um Handlungsstrategien im Umgang mit religiösen Auswüchsen aller Art entwickeln zu können, muß man zunächst ihre Grundlagen verstehen.
  • Warum hat die menschliche Evolution ein so kostspieliges Phänomen hervorgebracht und am Leben gehalten?
  • Wem nützt die Religion?
  • Ist es wahrscheinlich, daß Religiosität genetisch bedingt ist? Oder sind es eher religiöse"Meme", die sich erfolgreicher vermehrt haben als ihre Konkurrenten?
Bei dem Versuch, aus Glauben Wissen zu machen, sind einige Hindernisse zu überwinden. So ist die Erforschung für heilig gehaltener Phänomene häufig mit einem Tabu belegt, einem "Bann", den es zu brechen gilt, auch auf die Gefahr hin, den erforschten Gegenstand damit eventuell zu beschädigen. Die Religion kann, ebenso wie die Politik, die Philosophie oder andere Kulturphänomene, ihre Legitimität nur behaupten, wenn sie sich der wissenschaftlichen Analyse stellt.

Der Autor Daniel C. Dennett ist Professor für Wissenschaftstheorie an der Tufts University und international angesehener Bewusstseinsforscher.

Rezensionen

24.12.09
Aus aktuellem Anlass greift der Philosoph Daniel Dennett eine skeptische Grundidee der Aufklärung wieder auf.
Viele Menschen sind religiös, und viele Menschen haben beruflich mit Naturwissenschaft zu tun. Da bleibt es schon aus statistischen Gründen nicht aus, dass es viele Wissenschaftler gibt, die religiös sind. Die Frage ist, wie beides sich verträgt. Eine verbreitete Antwort beruft sich darauf, dass die Wissenschaft vieles erklären kann, sogar immer mehr, aber niemals alles. Es gibt nun einmal...

Leserbewertungen

28.12.09  
Den Bann brechen, Religion als natürliches Phänomen
Zu dieser These selbst wäre zunächst zu bestimmen, was der Autor mit Religion meint und ein eventueller Leser darunter verstehen soll. Nehmen wir an, dass er sich auf die Reaktionen des Menschen bezieht, und nur diese untersuchen will, dann bricht er wohl nicht zum ersten Male ein Tabu, das schon wegen des möglichen Missbrauchs besser geschützt werden sollte. Es gibt den Eigenraum des einzelnen Menschen, und den von Kulturgruppen, der mit der Identität verknüpft ist und Schutz und Respekt beanspruchen darf, bei weitem nicht nur deswegen, weil er analytisch nicht verstanden werden kann. Jemand, der sich mit Phänomenologie befasst, sollte den holistischen Charakter von dem, was hinter den "Erscheinungen" steht, also den "Phäno"menen, kennen. Man kann sich ihnen zwar beschreibend - und mit dem gebotenen Respekt vor dem Anderen - nähern, sie jedoch nicht be"greifen". Siehe hierzu das Gedicht von Auden: Some thirty inches from my nose ...., oder das zu dem Thema Proxima "Geschriebene" oder das Goethe Wort "Die wenigen, die was davon erfuhren, und töricht genug ...." etc.
Bei der ersten hier gemachten Annahme würde der Autor die Religion auf die Untersuchung des menschlichen Empfindens beschränken. Wenn sie wirklich nur das wäre, es also über den Menschen hinaus keine Realität gäbe, die mit dem Menschen persönlich in Verbindung treten kann, wie immerhin die grossen Religionen annehmen, dann wäre die Indiskretion auf die Kultur des menschlich Eigenen beschränkt, beschreibbar zwar in ihren Ritualen und anderen kulturellen Aspekten, ganz erfassbar wohl kaum.
Geht man aber davon aus, dass Religion eine echte Beziehung zwischen Gott und den Menschen ist, dann kann man es nur als wenig aussichtsreich ansehen, wenn jemand das Thema studieren will. Die Auseinandersetzung mit der Erfassbarkeit des grossen Partners des Menschen ist schon etwas älter. In einem Psalm heisst es: "Meine Gedanken sind nicht Eure Gedanken",
Ich möchte dem Verfasser, über eine respektvolle Grundeinstellung hinaus aber keine Auflagen bei seiner Wahrheitssuche machen, in der ich mich mit ihm verbunden fühle. Einen Teil davon wird er in den Schriften finden, einen anderen in den früheren Philosophien und Lehren und einen Teil in den Naturbeobachtungen der Poesie und der Wissenschaft, bei denen wir, wie Zeillinger der so griffig sagt "Realität ist Information" so leicht vergessen, dass wir die Realität nicht selbst gemacht haben, sondern nur kleinere Zusammenhänge aus ihr erkennen.
Schliesslich möchte ich ihm wünschen, dass er sie auch in sich selbst, das heisst in der Beziehung findet, ein Wort das ja mit Religion übersetzt werden kann.
Schon für zwischenmenschliche Beziehungen gilt, dass sie nur unvollständig zu erfassen sind, obwohl hier "nur" menschliche Partner in Beziehung treten. Wenn man dagegen sagt, dass man mit Religion die Seite des Phänomens beobachten will, die sich beim Menschen bemerkbar macht und bei dem ausserdem noch sehr komplexe biologische, psychologische, soziologische und kulturelle Bedingungen mitbestimmend sind, dann würde man bei allem Bemühen nur einen kleinen Bereich dessen erfassen, was die Beziehung ausmacht.

Klaus Moll (Dr. rer. soc. oec.)
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