Die Mathematisierung unserer Naturbeschreibung seit
dem sechzehnten Jahrhundert war eine der wichtigsten Voraussetzungen
für die großen Erkenntnisleistungen und technischen Errungenschaften
der neuzeitlichen exakten Wissenschaften im Abendland.
Seit jedoch immer mehr Berechnungen und sogar mathematische Beweise von Computern durchgeführt werden, müssen die Gleichungen und Rechenverfahren in zunehmendem Ausmaß in Programme übersetzt werden. Der Physiker, Automatentheoretiker und Erfinder der weltweit von Wissenschaftlern benutzten mathematischen Software „Mathematica“ hat bei seiner Arbeit mit einfachen Rechenprogrammen Formen der Komplexität entdeckt und erforscht, die ihn zu der These führten, man müsse die exakten Disziplinen völlig neu denken: Naturvorgänge selbst, so Wolframs Behauptung, verhalten sich weitaus eher wie Computerprogramme als wie, beispielsweise, Differentialgleichungen. Im Gespräch mit Dietmar Dath erläutert Wolfram seine Theorie und ihre weitreichenden Konsequenzen für die Evolutionsbiologie, Wetterbeobachtung, Wirtschaftsprognostik und Kognitionsforschung.
"Die Phänomene, die ich entdeckt habe, sind so einfach, daß man sie vor Ewigkeiten schon hätte entdecken können. Aber das hat man nicht."